Gaël Davrinche

Als Künstler des 21. Jahrhunderts entwickelt Gaël Davrinche eine Malpraxis, die sich mit der Geschichte der akademischen Malerei, ihren Traditionen und ihrer figurativen Dimension auseinandersetzt. Viele seiner Werke werden als „Blumenbilder“ beschrieben, wie die etwa acht zum Korpus Botanica gehörenden Werkreihen zeigen. Das Blumen-„Motiv“ hat in der heutigen Zeit allerdings seine Aussagekraft verloren; es wurde am Ende des 20. Jahrhunderts von anderen, „moderneren“ künstlerischen Konzepten in den Hintergrund gedrängt und vom Niedergang der figurativen Malerei zugunsten neuer Formen bildlichen Ausdrucks mitgerissen.

Die Spezifik von Gaël Davrinches Werk besteht jedoch gerade darin, dass er eine figurative Malerei praktiziert, die in einem Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart steht, wobei er sich eines zitierenden Ansatzes und einer Verfremdungssemantik bedient.

Die Botanica- und Portraits-Werkreihen sind in ihrer Bezugnahme auf die Vergangenheit von unterschiedlicher Art. Während die Portraits-Bilder im Wesentlichen darauf abzielen, sich eine Kulturgeschichte zu erschließen, versuchen die Botanica-Bilder eher, sich ihres Bezugsrahmens zu entledigen und sich so weitestgehend von Kommentaren, Analysen und Vergleichen fernzuhalten. Stattdessen sollte der Blick nicht mehr auf der erzählerischen Dimension der Malerei verweilen, sondern auf der Malerei selbst.